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Synagoge an der Knielinger Allee vor 50 Jahren eingeweiht: Längst sichtbarer Teil des Stadtbilds

Bau an Knielinger Allee auch Monument der Versöhnung

Das Erinnern an jüdisches Leben in Deutschland enthält unabänderlich die Mahnung an antisemitische Ausgrenzung und die Schrecken der Shoah. Auch die Geschichte Karlsruhes verzeichnet diese finsteren Zeiten. Deren Erwähnung mischte sich bei der Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen der Synagoge an der Knielinger Allee in die Gratulationen.

Doch die Veranstaltung war vor allem durch Verbundenheit geprägt. „Danke für die Geste, dass Sie diese Feier im Herzen unserer Stadt abhalten“, freute sich Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, als er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Bürgersaal des Rathauses begrüßte, darunter die Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Karlsruhe Solange Rosenberg. Die Synagoge sei seit 50 Jahren „sichtbarer Teil der Stadt“, betonte OB Mentrup.

BEWEGTE GESCHICHTE

„Menschen jüdischen Glaubens waren von Anfang an Bestandteil der Karlsruher Stadtgemeinschaft“: Diese Aussage des Stadtoberhaupts spiegelte der Vortrag von Dr. Ernst Otto Bräunche wider. Der Historiker und ehemalige Leiter des Stadtarchivs erinnerte die Gäste der Jubiläumsfeier daran, dass bereits lange vor der Gründung Karlsruhes im heutigen Stadtgebiet Jüdinnen und Juden lebten. 1806 wurde die wachsende Gemeinde mit einer von Friedrich Weinbrenner entworfenen Synagoge mit einem Sakralbau im Stadtbild sichtbar. Jedoch fiel das im orientalistischen Stil gestaltete Gebäude in der Kronenstraße schon 1871 einem Brand zum Opfer. An seine Stelle trat ein leicht zurückgesetzter Bau in romanischen und renaissancistischen Stilgemisch. Diese Synagoge wie auch die der orthodoxen Gemeinde in der Karl-Friedrich-Straße zerstörten nationalsozialistische Brandstifter in der Nacht vom 9. November 1938: Nur in der Kronenstraße war Löschen erlaubt, denn die Machthaber fürchteten, das Feuer könne auf ein nahes Benzinlager übergreifen. Die Verpflichtung, ihr Gotteshaus aus eigenen Mitteln vollständig abzureißen, demütigte die jüdische Gemeindemitglieder noch zusätzlich.

BETSAAL ALS ZELT

Die Arbeiten für den ersten badischer Synagogenneubau nach der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft begannen 1969 auf einem Grundstück des Landes an der Knielinger Allee. Die neue Synagoge beeindruckt durch ihren sechseckigen Grundriss, der sich in sternförmig gefalteten Wänden fortsetzt und den Betsaal an ein Zelt erinnern lässt. Heute bietet sie etwa 900 Gemeindemitgliedern Platz für Andacht und Ritus. Der Sakralbau ist nicht nur Mittelpunkt, sondern auch „Monument der Versöhnung“, so Rosenberg. Dies zu erhalten und zu beschützen, sei laut Bräunche angesichts der bewegten Historie genauso Verpflichtung wie an die Shoah zu erinnern. Sich Hass gemeinsam entgegenzustellen, hatte schon OB Mentrup als Aufgabe betont. Und Erhard Bechtold, stellvertretender katholischer Stadtdekan und Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit unterstrich, dass die christliche Gemeinschaft an der Seite der jüdischen Menschen stehe.

JÜDISCHES LEBEN FEIERN

Das Jubiläum der Synagoge fällt in ein Festjahr, bundesweit feiern viele Orte 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Wie wird das 1800. Jubiläum wohl begangen, fragte sich Rosenberg in ihrer Rede. Und kam zu der Antwort: „Hoffentlich blicken wir auf den Antisemitismus zurück als eine unverständliche geistige Verirrung der Menschheit.“ -los-