Katholische Kirche St. Peter und Paul

Kanzlerstr 2

Der dem Pantheon in Rom nachempfundene Kirchenbau wurde zwischen 1808 und 1814 nach Plänen des damaligen Oberbaudirektors Friedrich Weinbrenner (1766 – 1826) als ein kreuzförmiger Zentralbau mit Kuppel errichtet. Die gelungene Komposition einfacher Grundkörper macht die Pfarrkirche St. Stephan zu einem der interessantesten Bauten Friedrich Weinbrenners.

Die Katholische Kirche St. Peter und Paul

Das Pantheon war gestalterisches und formgebendes Vorbild für sakrale Bauten seit seiner Entstehung in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts. Bis heute ist das Pantheon einer der wenigen fast vollständig erhaltenen Tempelbauten der römischen Antike. Sein monumentaler und dynamischer Raumeindruck in der Form eines überkuppelten Zylinders prägte die gesamte nachfolgende Architekturgeschichte. Einen Höhepunkt fand die Pantheonrezeption in der Zeit um 1800.

Die Wiederherstellungsarbeiten des Fürstlich Fürstenbergischen Hofbaumeisters Adalbert Kerler 1880/82 bildeten einen Eingriff in Weinbrenners Werk: Neben der Veränderung des Raumeindrucks durch die Umgestaltung der Altarnischen verlor das Bauwerk seinen Außenputz. Im Rahmen der Sicherungsmaßnahmen in den Jahren zwischen 1911 und 1916 kam es zu weiteren Eingriffen in das Raumgefüge. Entsprechend war das Erscheinungsbild von St. Stephan bis zur Zerstörung durch Fliegerbomben im Jahr 1944 bereits mehrmals verändert worden. Bei den Planungen zum Wiederaufbau durch den späteren Baudirektor des Erzbischöflichen Bauamts Heidelberg, Hans Rolli, war die klare Herausarbeitung des Zentralraumgedankens von Bedeutung.

Der Innenraum blieb zu diesem Zweck ein schlichter Rohbau. Nur die in Stahlbeton-Fertigteilen errichtete Kuppel erhielt eine zurückhaltende, auf den Buntsandstein abgestimmte farbige Tönung.

Die gelungene Komposition einfacher Grundkörper macht die Pfarrkirche St. Stephan zu einem der interessantesten Bauten Friedrich Weinbrenners: Der Baukörper ergibt sich aus einem Würfel, dem ein überkuppelter Zylinder eingeschrieben ist, und der achsial angelegten Durchdringung dieses Würfels mit sich kreuzenden, ungleich breiten Quadern. Die Überleitung vom Kubus zum überkuppelten Zylinder, das Anschmiegen der Kreuzarm-Dächer und das Herabgleiten ihrer Flächen bis zu den Eckpunkten des vierkantigen Kernbaus vermeidet alle Härten. Dem Haupteingang ist eine breite Säulenhalle vorgelagert, die nach dem Entwurf Weinbrenners an der Straßenfront mit Kolonnaden fortgesetzt werden sollte, um als Verbindungsflügel – weniger hoch und aus der Flucht zurückgeschoben – pavillonartige Eckhäuser mit der Kirche zu einem größeren Ensemble zusammenzuschließen. Dass ein Turm wie beim Rathaus und der evangelischen Stadtpfarrkirche dem Bau eine stadtbildprägende Bedeutung verleiht, war von Weinbrenner hingegen zunächst nicht geplant. Er hat sich lange gegen diesen Campanile gewehrt und hoffte, dass ihn die hohen Baukosten schließlich wieder aus dem Plan verdrängen würden. Doch ließ die katholische Gemeinde die seitlichen Kolonnaden und die Eckgebäude streichen, bestand aber auf dem hohen Turm, der nun neben den drei Akzenten der Stadtkrone einen vierten setzen sollte. Im Inneren des Gotteshauses werden unsere Blicke von dem in der nördlichen Kreuzarmnische befindlichen Zelebrationsaltar und der Kuppel angezogen. Neben der Kuppel mit einer Höhe von 27,63 m und einem Durchmesser von 29 m trägt das unverputzte Mauerwerk zur monumentalen Wirkung des Raumes bei.

An Ausstattung erwähnenswert sind die Augsburger Arbeiten von 1732 (Altarkreuz und Leuchter), das Gemälde von Marie Ellenrieder mit der Stephanus-Darstellung (Spätherbst 1831) sowie die Kunstwerke von Herbert Kämper: Tabernakel (1964), Kanzel (1977), Ambo (1984), und Emil Sutor: Steinreliefs in den Seitennischen (1950er Jahre) und Kreuzwegstationen (1960) sowie besonders die Gobelins (1963) von Emil Wachter im Altarraum.

Text: Reinhold Weinmann, Geographisches Institut der Universität Heidelberg

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